Kurdenkonferenz in der französischen Nationalversammlung: „Keine Lösung ohne die Kurden“

In der Französische Nationalversammlung in Paris fand eine Konferenz zur Rolle der Kurden im Nahen Osten statt. Vertreter der Kurden sowie französische Parlamentarier betonten dabei übereinstimmend, dass keine dauerhafte Lösung in der Region ohne die Einbindung der Kurden möglich sei.

Die Konferenz wurde unter anderem vom Kurdischen Demokratischen Rat in Frankreich und der parlamentarischen Kurden-Arbeitsgruppe organisiert und brachte Politiker, Akademiker und Abgeordnete zusammen.


Kurden als zentraler Akteur im Nahen Osten

In der ersten Sitzung mit dem Titel „Die Rolle der Kurden in einem sich neu formierenden Nahen Osten: vier Teile, vier Fronten, ein Volk“ sprachen unter anderem Tuncer Bakırhan, Siyamend Mûînî, Fuad Omer und Blesa Jabar Farman.

Bakırhan hob hervor, dass die Kurden trotz jahrzehntelanger Unterdrückung seit dem Sykes-Picot-Abkommen ihre Existenz bewahrt hätten und heute eine entscheidende politische Kraft in der Region seien. Lösungen ohne die Kurden seien nicht nachhaltig, betonte er.


Entwicklungen im Iran und „Jin Jiyan Azadî“

Siyamend Mûînî ging auf die Lage im Iran ein und verwies auf anhaltende Repressionen in Rojhilat (Ostkurdistan).

Er erklärte, dass die Proteste unter dem Motto „Jin Jiyan Azadî“ zu einem politischen Erwachen innerhalb der kurdischen Gesellschaft geführt hätten und die Organisierung gestärkt worden sei.


Südkurdistan und Rojava im Fokus

Blesa Jabar Farman erklärte, dass Südkurdistan faktisch wie ein Staat funktioniere, jedoch weiterhin mit regionalen Spannungen konfrontiert sei.

Fuad Omer hob die Entwicklungen in Rojava hervor. Dort sei ein auf Frauenbefreiung basierendes Selbstverwaltungsmodell entstanden. Gleichzeitig kritisierte er die Haltung westlicher Staaten gegenüber Bedrohungen durch Gruppen wie Hayat Tahrir al-Sham.


Französische Abgeordnete fordern mehr Verantwortung

In der zweiten Sitzung äußerten sich französische Politiker wie Thomas Portes, Danielle Simonnet, Anna Pic und Jean-Paul Lecoq zur Rolle Frankreichs in der Kurdenfrage.

Sie kritisierten, dass Frankreich oft bei politischen Erklärungen bleibe, ohne ausreichende konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Gefordert wurden unter anderem:

  • besserer Schutz für Kurden in Frankreich
  • ein Stopp von Abschiebungen
  • eine aktivere Diplomatie im Nahen Osten

Forderung nach internationalem Schutzstatus

Anna Pic sprach sich für einen internationalen Schutzstatus für Rojava aus. Danielle Simonnet betonte, dass die Kurden nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung betrachtet werden müssten.


Kritik an widersprüchlicher Politik

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Diskrepanz zwischen historischer Solidarität Frankreichs mit den Kurden und der heutigen Politik.

Jean-Paul Lecoq erklärte, die kurdische Frage sei ein „Kampf um Würde und Existenz“ und forderte, das Thema stärker auf internationaler Ebene – etwa bei den Vereinten Nationen – zu thematisieren.


Gemeinsame Botschaft

Die zentrale Botschaft der Konferenz war eindeutig:
Ohne die Beteiligung der Kurden könne es keine stabile, demokratische und nachhaltige Lösung im Nahen Osten geben.

Die Teilnehmer riefen Frankreich dazu auf, über symbolische Unterstützung hinauszugehen und eine aktivere Rolle auf Grundlage von Menschenrechten und demokratischen Prinzipien einzunehmen.

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