Mehr als vier Jahrzehnte nach dem gewaltsamen Tod der 19-jährigen Maria Köhler beginnt in Aschaffenburg ein aufsehenerregender Prozess. Ein 67-jähriger Angeklagter muss sich ab dem 7. Mai vor dem Landgericht verantworten.
Tat aus dem Jahr 1984
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde Maria Köhler im Jahr 1984 in ihrem Zimmer mit einem Schal erdrosselt. Die Ermittler gehen von einem heimtückischen Mord aus.
Als mögliches Motiv werden Eifersucht und Rache genannt. Demnach soll sich das Opfer kurz vor der Tat von dem Angeklagten getrennt und eine Beziehung zu einem in Hanau stationierten US-Soldaten begonnen haben.
Flucht in die Türkei
Die Leiche der jungen Frau wurde zwei Tage nach der Tat in einem Wohnheim entdeckt. Der damalige Tatverdächtige verschwand unmittelbar danach spurlos.
Ermittlungen ergaben später, dass er über Frankfurt am Main in die Türkei geflüchtet war.
Cold Case nach Jahrzehnten gelöst
Der Fall blieb jahrzehntelang ungelöst, bis er Ende 2024 von einer Cold-Case-Einheit neu aufgerollt wurde. Im Zuge der neuen Ermittlungen konnte der Verdächtige in der Türkei lokalisiert werden.
Im September wurde er nach Deutschland überstellt und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft hat der Mann die Tat inzwischen gestanden.
Jahrelang unter falscher Identität in Deutschland
Besonders brisant: Der Angeklagte soll bereits 1998 unter falschem Namen nach Deutschland zurückgekehrt sein. Gemeinsam mit seiner deutschen Ehefrau lebte er erneut in Aschaffenburg – also genau an dem Ort, an dem die Tat begangen wurde.
Über rund 16 Jahre hinweg soll er dort unerkannt gelebt haben, bevor er später wieder in die Türkei ging.
DNA-Spuren belasten den Angeklagten
Die Ermittler führten auch moderne DNA-Analysen durch. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft weisen die Spuren mit „nahezu eindeutiger Sicherheit“ auf den Angeklagten hin.
Entscheidung über Mord oder Verjährung
Im Prozess sind zunächst fünf Verhandlungstage bis Ende Juni angesetzt. Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes droht dem Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe.
Entscheidend wird jedoch die rechtliche Einordnung der Tat sein:
- Wird Mord festgestellt, droht lebenslange Haft
- Bei einer anderen Einstufung könnte Verjährung greifen
- Im schlimmsten Fall wäre auch ein Freispruch möglich
Fazit
Der Fall Maria Köhler zeigt, dass selbst Jahrzehnte alte Verbrechen durch moderne Ermittlungen aufgeklärt werden können. Gleichzeitig macht der Prozess deutlich, wie entscheidend die juristische Bewertung für den Ausgang eines solchen Verfahrens ist.


